Interview mit mit Egon Harms, Leiter des Bereichs Grundwassergewinnung und Ressourcenschutz beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Der OOWV war Partner in den Projekten WaterCAP Cluster, Water CAP Taskforce und WaterCAP Communications Hub

Was haben die Projekte WaterCAP Cluster, WaterCAP Taskforce und WaterCAP Hub aus Ihrer Sicht für Niedersachsen gebracht?

In den drei Projekten haben wir die Ergebnisse von sechs Wassermanagement-Projekten im Zusammenhang mit dem Klimawandel zusammengeführt und aufbereitet für die Weitergabe an die Europäische Kommission. In Niedersachsen haben diese Projekte konkret dazu beigetragen, die Ergebnisse des Vorgänger-Projekts C2CI weiterzutragen. Bei C2CI hat der OOWV am Beispiel der Insel Spiekeroog Lösungsoptionen für den Umgang mit den Auswirkungen von Starkregenereignissen und damit für einen optimierten Wasserkreislauf entwickelt. Dies leistet nicht nur einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der eigenständigen Wasserversorgung der Insel mittels einer Süßwasserlinse, sondern die Ansätze sind auch auf das küstennahe Festland übertragbar.

Im Projekt WaterCAP Cluster haben wir uns mit der Europäischen Kommission zu den Erfahrungen verschiedener Regionen mit ihren unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen bei der Umsetzung von EU-Richtlinien im Wasserbereich ausgetauscht. Wenn dadurch bestimmte Schwierigkeiten bei der Richtlinienumsetzung künftig vermieden werden können, dann kommt dies auch dem Land Niedersachsen zugute.

Was hat die Projektteilnahme dem OOWV konkret gebracht? Inwiefern hat sie zur Verbesserung der lokalen Vernetzung bzw. Verwurzelung Ihrer Organisation beigetragen?
Einzelne Akteure sind ja oft mit Problemen konfrontiert, die sie alleine nicht lösen können, und bei denen der Schulterschluss mit anderen Akteuren notwendig ist. Dies gilt auch für die Oberflächenentwässerung auf der Insel Spiekeroog. Der OOWV hat gezeigt, dass er das Problem nicht nur sektoral, also auf den Funktionsbereich einer Kläranlage beschränkt, angeht, sondern dies zusammen mit anderen Partnern lösen möchte. Dazu hat die Teilnahme an den genannten INTERREG-Nordsee-Projekten einen wichtigen Beitrag geleistet. Schon über das Vorgängerprojekt C2CI ist die Vernetzung mit anderen für die Problemlösung relevanten Akteuren zustande gekommen, etwa mit der Kommune Spiekeroog, der Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und der für Wasserwirtschaft und Küstenschutz zuständigen Behörde.

Wie soll das Projektthema künftig in der Region weiterentwickelt werden?

Aus Sicht des OOWV geht es um Bereiche wie Stadtentwässerung/ Grundwasser, Kooperation zwischen Trinkwasserversorgern und Landwirtschaft, bessere Koordination zwischen Stadt- und Binnenlandentwässerung. Zu diesen Themen werden momentan eine Reihe neuer Projekte entwickelt – auch im Rahmen von INTERREG.

Gibt es für den OOWV Synergien oder gegenseitige Ergänzungen zwischen dem INTERREG B Nordsee-Programm und anderen relevanten Förderprogrammen?

Das BMBF-Forschungsprojekt „NAWAK – Entwicklung nachhaltiger Anpassungsstrategien für die Infrastruktur der Wasserwirtschaft unter den Bedingungen des klimatischen und demografischen Wandels“ ist aus meiner Sicht komplementär zu laufenden INTERREG-Projektentwicklungen, an denen der OOWV beteiligt ist.

Was hat in der Zusammenarbeit mit den anderen Partnern gut funktioniert und was können andere Initiativen davon lernen?

Die Projektpartner kannten sich aus vorangegangenen Projekten. Dadurch gab es eine gute Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit. Und wir hatten gemeinsame inhaltliche Themen, für die wir Lösungen erarbeiten wollten. Natürlich hängt es auch immer entscheidend von den beteiligten Personen hinter den Projekten ab – in dieser Hinsicht haben die Partnerschaften sehr gut funktioniert.

Bitte ergänzen Sie: INTERREG-B-Projekte erfordern großen Koordinationsaufwand und die administrative Abwicklung ist kompliziert. Es lohnt sich aber dennoch mitzumachen, weil…

…die Kontakte mit europäischen Partnern helfen, bei der Lösung von Problemen über den eigenen Tellerrand zu sehen und neue Lösungsansätze kennenzulernen. Der Austausch über die Richtlinienumsetzung war im Fall des OOWV sehr gewinnbringend. Besonders über das Projekt WaterCAP Communication Hub wurde durch eine gemeinsame Veranstaltung die Zusammenarbeit mit anderen Wasserversorgern in der Region aber auch mit dänischen und niederländischen Partnern aus dem Wassersektor gestärkt. Aus dem Projekt heraus ist ein Netzwerk entstanden, das zukünftig gepflegt und ausgebaut werden wird.

Trotz hohen Koordinations- und Administrationsaufwandes lohnen sich europäische Projekte, besonders wenn innerhalb eines gefestigten Partnerkonsortiums Aufgabenverteilung möglich ist. Dadurch kann eine ganze Region von den Ergebnissen europäischer Projekte profitieren.